Das unendlich langsame Leben der Steine

Eine befreundete Künstlerin, Katja Barinski lud mich ein mit ihr am Tag des offenen Ateliers auszustellen. Katja malt sehr expressive Bilder, die viel mit menschlichen Beziehungen zu tun haben

http://www.katja-barinsky.de

Ich nutzte die Gelegenheit, um eine kleine Auswahl von Arbeiten aus einem Themenbereich zu zeigen, mit welchem ich mich nun schon über viele Jahre auseinandersetze.

Für mich ist künstlerisches Arbeiten eine Möglichkeiten, auf eine sehr intensive Art nachzudenken. Im Fall dieser Serie versenke ich mich das geheime, unendlich langsame Leben der Steine:

Die Steinzeichnungen, Aquarelle und Plastiken sind von einem Text von Wolfgang Welsch – Homo mundanus – inspiriert. Welsch geht es in diesem Buch darum, die Welthaftigkeit, also die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Welt, zu klären.

Die Schilderung einer Küstenwanderung gibt das Gefühl der Verbundenheit mit der Welt und allen ihr befindlichen Dingen besonders eindrücklich wieder:

„Während er stundenlang an der Küste entlanggeht, verändert sich sein Verhältnis zu Wasser und Strand, zu Felsen, Tieren und Wolken. Ihm ist, als wären dies alles nicht Dinge von wirklich anderer Art als er selbst, sondern als wären diese Dinge und er weithin gleichartig. Schließlich wird es ihm zur Evidenz: Wir Menschen sind Gefährten, Verwandte und Partner, Zeit- und Schicksalsgenossen all dieses anderen Seienden, wir und es sind von der gleichen Art, sind aus dem gleichen Stoff.“ (Welsch 2015, 584)

Der Kiesel, den wir am Strand finden können, ist auf elementarer Ebene eine Verbindung von kleinsten Teilchen, die sich zu einer Form zusammenfanden. Die Naturkräfte, die auf ihn einwirken, werden ihn in einem unendlich langen Prozess wieder zersetzen. Die Teilchen werden frei und verbinden sich anderen In-Formationen gemäß zu neuen Dingen. Sie werden vielleicht Bestandteil eines Grashalms, eines Haares im Fell einer Kuh, einer Wolke, meines Handknochens?

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Blick in mein Sommeratelier

Nach einem turbulenten Schuljahr habe ich die Arbeit in meinem Atelier wieder verstärkt aufgenommen. Das nehme ich zum Anlass, einen Einblick in meine Werkstatt zu zeigen:

Steine, Steine, Steine ... und irgendwie sind sie doch Verwandte der Wolken.

Steine, Steine, Steine … und irgendwie sind sie doch Verwandte der Wolken.

Strich für Strich entstehen die Räume auf dem Papier: Innenraum, Außenraum, Umraum. Materie in Form, Form in Materie ...

Strich für Strich entstehen die Räume auf dem Papier: Innenraum, Außenraum, Umraum. Materie in Form, Form in Materie …

weiter auf der Suche nach dem Innenraum ...

weiter auf der Suche nach dem Innenraum …

und weiter ...

und weiter …

und weiter ...

und weiter …

Was passiert an den Stellen, an denen der Stein seine unendlich langsam gewachsene Form abrupt verliert? Ende oder Einblicke in Unendlichkeit?

Was passiert an den Stellen, an denen der Stein seine unendlich langsam gewachsene Form abrupt verliert? Ende oder Einblicke in Unendlichkeit?

"Tja", sagen die Vögel ...

„Tja“, sagen die Vögel …

... und der Rehbock erinnert sich an die Malerei, die es im letzten Jahr gab ...

… und der Rehbock erinnert sich an die Malerei, die es im letzten Jahr gab …

???

???

! - !

! – !

Der Apfelbaum erinnert sich an den Frühling.

Der Apfelbaum erinnert sich an den Frühling.

Zwei Stachelige unterhalten sich.

Zwei Stachelige unterhalten sich.

Aus meiner Sammlung an Naturumhüllungen ...

Aus meiner Sammlung an Naturumhüllungen …

Hülle, Haut, Schale ... Vom Atem der Natur umarmt?

Hülle, Haut, Schale … Vom Atem der Natur umarmt?

Ölig umarmt? Etwas schroff, trotz zart?

Ölig umarmt? Etwas schroff, trotz Zartheit?

Blättern in unserem Garten. Diese Blätter haben sich wie Häute um die Hände gelegt, wenn man sie nahm. Erinnerung und Gefühl konserviert ...

Es gab mal einen Baum mit großen, weichen Blättern in unserem Garten. Diese Blätter haben sich wie Häute um die Hände gelegt, wenn man sie nahm. Erinnerung und Gefühl konserviert …

auch so ...

auch so …

zum Schluss!

zum Schluss!