Zweiter Platz im BDK Wettbewerb

Zweiter Platz beim Wettbewerb „Kunststück – Wege der Vermittlung“ mit einem Projekt der integrativen Kunstklasse (Adolf-Rebl-Schule Pfaffenhofen)

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Vom Weg in den Himmel oder in die Hölle…

 

In unserer integrativen Kunstklasse (Schyren-Gymnasium und Adolf-Rebl Schule, Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, siehe BDK Info 2/07) stellt sich die Frage nach Wegen der Kunstvermittlung in besonderem Maß. Aufgrund der stark unterschiedlichen Fähigkeiten müssen nicht nur sehr anschauliche, sondern auch stark individualisierte Wege geöffnet werden. Dabei gilt es, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen gemeinsamem Lernen und individuellem Zugang zu finden.

Gelingt dieses Vorhaben, hält der Unterricht besondere Erkenntnispotenziale für alle Beteiligten bereit, da sich ein weites Feld an Bildzugängen und Interpretationen entspinnt und darüber Einsicht in die Unterschiedlichkeit der Weltwahrnehmung.

 

Die hier vorgestellte Unterrichtssequenz zielte auf eine möglichst facettenreiche Vermittlung einer Bildergeschichte aus dem Codex Aureus Epernacensis. Das Blatt zeigt das Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus und entstand um 1030 in der Blütezeit der Echternacher Buchkunst. Der reiche Prasser, der nicht bereit ist zu teilen, wird bereits am Totenbett von den Teufeln erwartet und in die Hölle überführt, während die Seele des armen Lazarus die jener auf freiem Feld aushaucht sanft von Engeln empfangen und in das Paradies gebracht wird. Das Kunstwerk birgt nicht nur wichtige Erkenntnisse über die Formensprache mittelalterlicher Kunst, sondern auch Inhalte, die exemplarisch die enge Bindung zwischen Kunst und religiösem Weltbild zeigen.

 

Um die Inhalte zu klären und eine Auseinandersetzung mit formalen Aspekten anzuregen,   bot sich zunächst eine Umsetzung der Einzelbilder in Ton an. Dabei waren die Schüler aufgefordert, sich mit dem Dargestellten und seinem spezifischen Stil eingehend auseinander zu setzten und im Austausch eine gemeinsame Lösung für die Umsetzung in die dritte Dimension zu finden. Besonders die zeittypische Darstellung von Räumlichkeit forderte die Kreativität der Schüler. Lies sich die Bedeutungsperspektive noch gut übertragen und anschaulich erklären, führte die Umsetzung der Verklappung zu deutlichen Differenzen, die später Anlass zur formalen Untersuchung gaben.

An der plastischen Nachbildung der Bildergeschichte waren alle Kinder in gemischten Kleingruppen beteiligt (pro Bild eine Gruppe mit ca. 4 Kindern). Die sich daraus ergebenden inhaltlichen und formalen Fragestellungen wurden von leistungsdifferenzierten Gruppen untersucht. Einige Kinder versuchten die inhaltliche Dimension weiter zu erschließen, indem sie den mittelalterlichen Paradies- bzw. Höllendarstellungen ihre eigenen Vorstellungen gegenüberstellten. Eine Gruppe untersuchte eingehend und mit großem Körpereinsatz die Aussagen, die sich in den dargestellten Körperhaltungen ergeben. Eine weitere Gruppe stellte eigene Versuche zu Farbwahl und Malweise an.

Wie bereits erwähnt wurde auch der räumlichen Darstellung besondere Aufmerksamkeit zuteil. Eine Gruppe untersuchte die in den Bildern erkennbaren raumschaffenden Mittel und stellte diesen „Verbesserungsvorschläge“ gegenüber. Auch der kunstgeschichtliche Kontext wollte recherchiert sein, wozu sich weitere Interessenten fanden.

 

Die „Forschungsergebnisse“ hielten wir in Form einer Präsentation fest. Mithilfe eines einfachen Videoschnittprogramms und digitalen Tonbandgeräten konnten wir unsere „vertonte“ Geschichte vom reichen Prasser und vom armen Lazarus mit den erklärenden Worten der Kinder hinterlegen. So konnten die Schüler und andere Interessierte die Bildergeschichte und Skizzen und Studien betrachten und dazu die Informationen, die vorher eingesprochen wurden anhören.

 

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