#Diversität

Als Mitherausgeberin der Zeitschrift Kunst+Unterricht ( https://www.friedrich-verlag.de/shop/sekundarstufe/aesthetische-faecher/kunst/kunst-und-unterricht) habe ich eine Reihe entwickelt, die den (kunst-)pädagogischen Umgang mit Diversität in den Blick nimmt. Anhand von konkreten Fallstudien stelle ich den bildnerischen Entwicklungsverlauf einzelner Schüler mit besonderen Lernbedingungen vor und schildere, wie der Lernprozess begleitet wurde.

K+U_Diversitaet

Gemeinsam mit meinem Vater, der Kunstlehrer für Menschen mit geistiger Behinderung war, schreibe ich die ersten Artikel dieser Reihe. Wir wollen zunächst jene SchülerInnen, die schnell als nicht-inkludierbarer Rest gelten, in den Fokus rücken, um Inklusion möglichst konsequent und vom konkreten Menschen ausgehend zu reflektieren. Statt nach Defiziten zu suchen, gehen wir dabei möglichkeiten-, stärken- und prozessorientiert vor. Es geht uns darum, jenseits normierter Lernziele nach Potenzialen zu suchen und diese bestmöglich zu fördern.

Aus dem über Jahrzehnte gewachsenen Archiv wählten wir zunächst Sonja. Sonja bewegt sich in einem vermeintlich engen Feld der Punkte, Linien, Strukturen und dennoch öffnet sich eine ganz eigene Welt, wenn es uns gelingt, das was sich in uns als „normal“ festgesetzt hat, beiseite zu lassen. Während für den Einen die Perspektivenzeichnug mit mehreren Fluchtpunkten bedeutsam ist, mag sich für einen Anderen im bewussten Setzen einer Linie auf ein Papier eine neue Welt öffnen. Die Möglichkeitsräume, in denen wir uns bewegen, differieren und das macht unsere gemeinsame Welt reich…

Sonja-1

 

Sonjas Entwicklung ist auch als zarter Empowerment- Prozess zu sehen. Aus dem möglichst genauen Befolgen eines gelernten Musters arbeitet sie sich Schritt für Schritt heraus. Mit jedem kleinen Lernschritt sprengt sie den Handlungsrahmen, über den sie bisher verfügte, um ihn ein Stück zu erweitern. Indem Sonja Optionen wahrzunehmen beginnt, wachsen ihre Möglichkeiten Entscheidungen zu treffen; sie bringt sich mehr und mehr ein. Aus einem Handlungsmuster werden Sonjas Handlungsmuster…

 

 

 

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Das unendlich langsame Leben der Steine

Eine befreundete Künstlerin, Katja Barinski lud mich ein mit ihr am Tag des offenen Ateliers auszustellen. Katja malt sehr expressive Bilder, die viel mit menschlichen Beziehungen zu tun haben

http://www.katja-barinsky.de

Ich nutzte die Gelegenheit, um eine kleine Auswahl von Arbeiten aus einem Themenbereich zu zeigen, mit welchem ich mich nun schon über viele Jahre auseinandersetze.

Für mich ist künstlerisches Arbeiten eine Möglichkeiten, auf eine sehr intensive Art nachzudenken. Im Fall dieser Serie versenke ich mich das geheime, unendlich langsame Leben der Steine:

Die Steinzeichnungen, Aquarelle und Plastiken sind von einem Text von Wolfgang Welsch – Homo mundanus – inspiriert. Welsch geht es in diesem Buch darum, die Welthaftigkeit, also die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Welt, zu klären.

Die Schilderung einer Küstenwanderung gibt das Gefühl der Verbundenheit mit der Welt und allen ihr befindlichen Dingen besonders eindrücklich wieder:

„Während er stundenlang an der Küste entlanggeht, verändert sich sein Verhältnis zu Wasser und Strand, zu Felsen, Tieren und Wolken. Ihm ist, als wären dies alles nicht Dinge von wirklich anderer Art als er selbst, sondern als wären diese Dinge und er weithin gleichartig. Schließlich wird es ihm zur Evidenz: Wir Menschen sind Gefährten, Verwandte und Partner, Zeit- und Schicksalsgenossen all dieses anderen Seienden, wir und es sind von der gleichen Art, sind aus dem gleichen Stoff.“ (Welsch 2015, 584)

Der Kiesel, den wir am Strand finden können, ist auf elementarer Ebene eine Verbindung von kleinsten Teilchen, die sich zu einer Form zusammenfanden. Die Naturkräfte, die auf ihn einwirken, werden ihn in einem unendlich langen Prozess wieder zersetzen. Die Teilchen werden frei und verbinden sich anderen In-Formationen gemäß zu neuen Dingen. Sie werden vielleicht Bestandteil eines Grashalms, eines Haares im Fell einer Kuh, einer Wolke, meines Handknochens?

Begegnung gestalten

Vor kurzem war ich als Gast im Begegnungszentrum in Hagau. Das Tagungshaus wird von der Lebenshilfe Ingolstadt betrieben und ist inklusiver Arbeitsplatz und Begegnungsstätte. Menschen mit und ohne Handicap kommen hierher um sich fortzubilden, Urlaub zu machen oder zu feiern. Mehrere Mitarbeiter mit Behinderung haben hier ihren festen Arbeitsplatz gefunden.

Als das Zentrum gebaut wurde, habe ich im Rahmen meiner Tätigkeiten für die Lebenshilfe mit einer Gruppe von kunstinteressierten Mitarbeitern ein großes Wandrelief und einige Bilder gestaltet. Bis heute hängen Relief und Bilder in den Räumen. Auch das ist eine Möglichkeit Menschen miteinander in Austausch zu bringen:

Direkt neben dem Begegnungszentrum wurde ein Reittherapiezentrum gebaut. Einige der Menschen mit Behinderung, die dort arbeiteten gestalteten das Pferderelief aus Ton.

Ein Thema, zudem gearbeitet wurde, war „der Traum vom Fliegen“

Aus meinem Winteratelier

In diesem Winter war ich oft mit meinem Hund im Wald beim Spazierengehen. Beobachtet man die Natur genau, entdeckt man immer wieder neue Rhythmen. Damit habe ich mich dann im Atelier auseinandergesetzt. Hier zeige ich euch eine kleine Serie aus dieser Arbeit. Mitten im Winter gemalt, hat sie doch viel Frühlingshaftes …

Gedanken zu Virtualität und Sinnlichkeit

Für einen Buchbeitrag denke ich über Folgendes nach – vielleicht möchtet Ihr Euren Blickwinkel dazu mit mir/uns teilen – gerne als Kommentar oder persönlich.

In Resonanz mit der sinnlichen Welt
– der Beitrag der Kunstpädagogik zu einer welthaltigen Erkenntnis angesichts digitaler Distanzierungsbewegungen

Mir scheint, ein großes Problem unserer Zeit ist, dass wir uns oft /vielleicht vorwiegend in einseitig rationalen, versachlichten – mit einer Terminologie von Adorno vielleicht auch erkalteten – Denk- und Handlungsräumen bewegen und so den Kontakt zur sinnlichen Welt sowie zu einer anderen Form der Bewusstheit vernachlässigen, wenn nicht gar verlieren.

Wir zelebrieren eine rationalistische Verstandeskultur, die in ihrer Einseitigkeit, das menschliche Gehirn (heute gerne auch ganz im technischen Geist als Festplatte bezeichnet) in das Zentrum des Universums stellte und dabei einsam werden ließ. Vielfach fehlt dem modernen Kopfmenschen die Bodenhaftung und umso stärker fordert dieser Teil des Menschseins Beachtung und füllt Fitness-Center, Waldkindergärten und Body-Awareness-Seminare. Weiterlesen

Wie Diversität die Welt ändern kann

Wenn wir von Diversität und Inklusion sprechen, dann tun wir das oft mit einem imaginierte Heiligenschein über dem angestrengten Kopf. Quasi aus der Position des Überlegenen, da nicht beeinträchtigen Menschen, überlegen wir uns, wir wir jene, nicht ganz ins System passenden auch integrieren können und fühlen uns dann als  starke Helfer.

Sarah Houbolt dreht den Spieß um. Sie zeigt uns, welcher Reichtum in der Diversität liegen kann. Menschen mit Beeinträchtigungen müssen jeden Tag bisweilen auch äußerst kreativ Probleme lösen. Sie bewegen sich in einer Welt, die an den Normen der Mehrheit orientiert gestaltet ist und werden dadurch oft behindert. Da sie den ausgetretenen Trampelpfaden also nicht einfach folgen können, sind sie darauf angewiesen eigene Wege zu finden. So kann man zum Experten im Design Thinking werden, da unkonventionelle Lösungen schlicht notwendig sind, sagt Sarah und schlägt vor, diese Kraft, die Menschen durch ihre Beeinträchtigung entwickeln, zur Veränderung von Systemen zu nutzten.

Von Sarahs mutigen und guten Gedanken können wir, die wir den Komfort haben, uns weitgehend unbehindert zu bewegen, lernen:

 

 

Wege zur abstrakten Kunst

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Vor Kurzem erschien das erste Themenheft aus der Reihe Kunst+Unterricht, das ich als Herausgeberin planen und entwickeln durfte. Gemeinsam mit diversen Autorinnen und Autoren überlege ich in diesem Heft, was Abstraktion in der Kunst bedeutet, wie Kinder und Jugendliche mit Prozessen des Abstrahierens umgehen, wie man Wege zum Abstrakten weisen kann und welchen Bildungswert das hat.

Wozu? Weil ich die Meinung vieler nicht teile, in der abstrakten Kunst zeige sich Nicht-Können oder Provokationsverhalten. Vielmehr meine ich, gerade in der ungegenständlichen Kunst eine Vielfalt an höchst sinnlichen, individuellen Sprachen entdecken zu können. Jenseits gegenständlicher Kategoriebildung können wir im Umgang mit abstrakten und abstrahierten Bildern die Kraft der Farbe und Form an sich kennenlernen und uns auf ein vielschichtiges Denken und Wahrnehmen in Fühlung mit den eigenen Sinnen einlassen.